Wenn man heutzutage über ein Thema unter den Muslimen spricht, heißt das nicht, dass dieses Thema auch im Islam gleichbehandelt wird. Das gilt auch für das Thema: Sexualität, Liebe und Beziehungen.

Während in westlichen Kulturen die Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen zeigen, wie wichtig es ist, die Geschlechtsorgane benennen zu können, um ihnen im Leben jeder und jedes Einzelnen einen Platz zuzuweisen, gibt es in der arabischen Sprache ca. 900 verschiedene Wörter (Synonyme), um den Geschlechtsverkehr zu benennen. Auch im Koran werden verschiedene Namen darin benutzt, sowie: nikāḥ, zinā, fāḥishah, farğ, maniyy, mubasharah, lams, rafaṯ, biġā, mu`asharah und bakārah.

Das Thema der Sexualität ist im Islam grundsätzlich kein Tabuthema, aber das Ehre-Scham-Konzept ist darin auch ein wichtiger Punkt, nicht nur in diesem Thema, sondern überall im Islam, weil „die Scheu ein Teil des Imans ist“.(Buḫārī, 24, eig. Übers.)

In diesem Zusammenhang äußerte sich Aischa: „Wie gut sind die Frauen von al-Ansar (Helferinnen), dass ihre Scheu sie nicht daran hinderte, die Religion zu lernen.“(Ṣaḥīḥ Muslim 332, eig. Übers.)

Die Gebote und Verbote des Islams, in diesem Kontext sind gleich, sowohl für die Männer als auch für die Frauen. Allah sagte:

وَمَا كَانَ لِمُؤْمِنٍ وَلَا مُؤْمِنَةٍ إِذَا قَضَى اللَّـهُ وَرَسُولُهُ أَمْرًا أَن يَكُونَ لَهُمُ الْخِيَرَةُ مِنْ أَمْرِهِمْ ۗ وَمَن يَعْصِ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ فَقَدْ ضَلَّ ضَلَالًا مُّبِينًا

„Weder für einen gläubigen Mann noch für eine gläubige Frau gibt es, wenn Allah und Sein Gesandter eine Angelegenheit entschieden haben, die Möglichkeit, in ihrer Angelegenheit zu wählen. Und wer sich Allah und Seinem Gesandten widersetzt, der befindet sich ja in deutlichem Irrtum.“ (33:36, Bubenheim und Elyas).

Aus der theologischen Perspektive werde ich kurz auf die wichtigsten Punkte meines Erachtens bezüglich des Themas Sexualität eingehen:

  1. Freundschaft zwischen Männern und Frauen
  2. Jungfräulichkeit bzw. die Sexualität
  3. Die „alternativen“ Eheschließungen und
  4. Sexualunterricht

 

  1. Freundschaft zwischen Männern und Frauen

Die Gelehrten, die das verbieten, argumentieren mit dem Vers:

غَيْرَ مُسَافِحَاتٍ وَلَا مُتَّخِذَاتِ أَخْدَانٍ

„So heiratet sie mit der Erlaubnis ihrer Angehörigen und… nicht solche, die Hurerei treiben und sich Liebhaber halten!“(4:25, Bubenheim und Elyas); oder mit dem Vers:

مُحْصِنِينَ غَيْرَ مُسَافِحِينَ وَلَا مُتَّخِذِي أَخْدَانٍ

„als ehrbare Ehemänner, nicht als solche, die Hurerei treiben und sich Liebschaften halten“(5:5, Bubenheim und Elyas).

Aber: die richtige Bedeutung, laut den muslimischen Exegeten des Wortes „pl. aḫdān sing. ḫaden oder ḫadīn“ ist Liebhaber und nicht „einfache/r FreundIn“, sowie das diese Gelehrten verstanden haben.

Ein großer Gelehrte der Universität al-Azhar, `Aṭiyah Ṣaqar sagt: „Die Freundschaft zwischen den Geschlechtern hat Bereiche, Grenzen und eine Ethik, vergleichbar mit der Freundschaft zwischen dem Vater und seinen Töchtern, dem Bruder und seinen Schwestern und dem Mann und seiner Tante, die als Beziehung unter Verwandtschaftsrecht bekannt sind. Bezüglich der Freundschaft des Kollegen mit seinen Kolleginnen bei der Arbeit, im Studium, im Geschäft oder die Freundschaft mit Nachbarn oder Freundschaft auf Reisen usw., muss diese Freundschaft allen islamischen Sitten zwischen den Geschlechtern gehorchen; im Sinne der Kleidung, der Art und Weise vom Reden, Nicht-Schütteln der Hände bei der Begrüßung und auch Dinge, die nicht von der Religion genehmigt werden. Darüber sprechen viele Texte im Koran und der Sunna“. (Islamonline, eig. Übers.)

Dr. al-Qaradawi sagt: „Das Treffen zwischen Männern und Frauen an sich ist nicht verboten, aber es ist zulässig oder erforderlich, wenn darin beabsichtigt wird sich an einem noblen Ziel zu beteiligen, z. B. der Erwerb nützlichen Wissens, gute Arbeit, ein gutes Projekt, notwendige Bemühungen oder andere Ziele, die gemeinsame Anstrengungen beider Geschlechter in Planung, Leitung und Umsetzung erfordern. Das bedeutet nicht, dass die Grenze zwischen ihnen aufgelöst werden und die islamischen Beschränkungen, die für jedes Treffen zwischen den Parteien gelten, vergessen werden.“ (Islamonline, eig. Übers.)

Mit diesen „Grenzen“ zwischen den Geschlechtern sind die islamischen Sitten gemeint:

1.1. Die Art und Weise des Sehens. Allah sagte:

قُل لِّلْمُؤْمِنِينَ يَغُضُّوا مِنْ أَبْصَارِهِمْ

„Sag zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke senken…“ (24:30, Bubenheim und Elyas)

وَقُل لِّلْمُؤْمِنَاتِ يَغْضُضْنَ مِنْ أَبْصَارِهِنَّ

„Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken…“ (24:31, B. u. E.).

Der Gesandte Allahs ﷺsagte zu Ali, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm:

“‏ يَا عَلِيُّ لاَ تُتْبِعِ النَّظْرَةَ النَّظْرَةَ فَإِنَّ لَكَ الأُولَى وَلَيْسَتْ لَكَ الآخِرَةُ ‏”‏

„Schau nicht nach o Ali, (weil) wenn du nicht für den ersten verantwortlich gemacht wirst, hast du kein Recht auf den zweiten.“ (Sunan Abu Dawūd 2149, eig. Übers.)

1.2. Die Art und Weise des Redens. Allah sagte zu den Frauen des Propheten, was für die anderen Musliminnen eine Selbstverständlichkeit sein sollte:

يَا نِسَاءَ النَّبِيِّ لَسْتُنَّ كَأَحَدٍ مِّنَ النِّسَاءِ ۚ إِنِ اتَّقَيْتُنَّ فَلَا تَخْضَعْنَ بِالْقَوْلِ فَيَطْمَعَ الَّذِي فِي قَلْبِهِ مَرَضٌ وَقُلْنَ قَوْلًا مَّعْرُوفًا

„O Frauen des Propheten, ihr seid nicht wie irgendeine von den (übrigen) Frauen. Wenn ihr gottesfürchtig seid, dann seid nicht unterwürfig im Reden, damit nicht derjenige, in dessen Herzen Krankheit ist, begehrlich wird, sondern sagt geziemende Worte.“ (33:32, B. u. E.)

1.3. Die Kleidung. Allah sagte:

وَلَا تَبَرَّجْنَ تَبَرُّجَ الْجَاهِلِيَّةِ الْأُولَىٰ

„und stellt euch nicht zur Schau wie in der Zeit der früheren Unwissenheit.“ (33:33, B. u. E.)

In einem umstrittenen Hadith im Sunan Abu Dawud steht, dass Asma, die Tochter von Abu Bakr, in dünner Kleidung vor den Gesandten Allahs (ﷺ) trat. Der Gesandte Allahs (ﷺ) richtete seine Aufmerksamkeit von ihr. Dann sagte er:

“‏ يَا أَسْمَاءُ إِنَّ الْمَرْأَةَ إِذَا بَلَغَتِ الْمَحِيضَ لَمْ تَصْلُحْ أَنْ يُرَى مِنْهَا إِلاَّ هَذَا وَهَذَا ‏“‏‏.‏ وَأَشَارَ إِلَى وَجْهِهِ وَكَفَّيْهِ

„O Asma, wenn eine Frau das Menstruationszeitalter erreicht, passt es ihr nicht, dass sie ihre Körperteile außer diesem und jenem zeigt“; und dann zeigte er auf sein Gesicht und seine Hände. (Sunan Abu Dawud 4104, eig. Übers.)

  1. Die Einsamkeit zwischen einem Mann und einer Frau. Der Prophet ﷺsagte:

أَلاَ لاَ يَخْلُوَنَّ رَجُلٌ بِامْرَأَةٍ إِلاَّ كَانَ ثَالِثَهُمَا الشَّيْطَانُ

„Vorsicht! Ist ein Mann allein mit einer Frau, so wird der dritte von ihnen der Shaitan sein.“ (Tirmiḍi 2165, eig. Übers.)

1.4. Und auch andere islamische Sitten, die aus Ehre-Scham-Konzepten stammen.

  1. Jungfräulichkeit bzw. die Sexualität

Aus islamrechtlicher Sicht ist die Ehe die einzige soziale Institution, die es Frauen und Männer erlaubt, sexuell aktiv zu sein.

Im Islam ist die Eheschließung zwischen Mann und Frau vor einem Imam bzw. einem Beamten kein Sakrament, sondern ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen zwei Personen. Nach islamischem Recht ist eine solche religiöse Trauung rechtlich bindend und räumt Männern und Frauen Rechte und Pflichten ein.

Dies bedeutet, dass die einzige erlaubte Form der ehelichen Verbindung jene von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechtsist. (SZIG-Papers 3, 2018)

Der Islam fordert die Sexualität nur in der regulären, angelegten Nikah-Ehe auszuleben. Dieser setzt in der Regel einige Dinge voraus:

– die Zustimmung des Vaters,

– die Ausschließung der religiösen Ehehindernisse,

– einen Vertragsabschluss in Gegenwart von mindestens zwei Zeugen[1],

– Festlegung einer Brautgabe,

– die Ausrichtung einer Hochzeitsfeier und damit die öffentliche Bekanntmachung der Eheschließung,

– die Bereitstellung einer gemeinsamen Wohnung durch den Ehemann.

Jede Sexualität, die nicht in einer gültigen Ehe stattfindet, wird im Islam als Unzucht (Zina) genannt und kann unter Umständen strafrechtliche oder soziale Konsequenzen nach sich ziehen.

Bedauerlicherweise wird in vielen muslimischen Gesellschaften nur von Mädchen immer noch größtenteils erwartet, dass nur sie bis zur Eheschließung ihren ‚guten Ruf‘ wahren, um so die Familie vor Schande und Ehrverletzung zu schützen.

Das stimmt aber mit islamischen Werten nicht überein, weil Allah zu allen Muslimen, Frauen und Männern, sagte:

وَلَا تَقْرَبُوا الزِّنَىٰ ۖ إِنَّهُ كَانَ فَاحِشَةً وَسَاءَ سَبِيلًا

„Und nähert euch nicht der Unzucht. Gewiss, sie ist etwas Abscheuliches – und wie böse ist der Weg.“ (17:32, B. u. E.)

وَالَّذِينَ هُمْ لِفُرُوجِهِمْ حَافِظُونَ ﴿٥﴾ إِلَّا عَلَىٰ أَزْوَاجِهِمْ أَوْ مَا مَلَكَتْ أَيْمَانُهُمْ فَإِنَّهُمْ غَيْرُ مَلُومِينَ ﴿٦﴾ فَمَنِ ابْتَغَىٰ وَرَاءَ ذَٰلِكَ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْعَادُونَ ﴿٧﴾

„Und diejenigen, die ihre Intimbereiche behüten, außer ihren Ehefrauen und denen gegenüber, die ihnen gehören. Denn dann sind sie gewiss nicht zu tadeln. Wer dann anderes als dies erstrebt, diese sind die wirklichen Übertretenden.“ (23:5, Zaidan)

  1. Die „alternativen“ Eheschließungen

Die neuen eheähnlichen Beziehungen mögen regional unterschiedliche Bezeichnungen und Ausformungen annehmen, sind aber durch folgende Gemeinsamkeiten gekennzeichnet:

  • Es handelt sich um inoffizielle Ehe-Formen, die zwar oft schriftlich dokumentiert, nicht aber staatlich registriert werden.
  • Die eheähnlichen Verbindungen sind in erster Linie darauf ausgerichtet, intime Beziehungen zu ermöglichen, nicht darauf, eine Lebensgemeinschaft und Familie zu gründen.
  • Die Trennung erfolgt ähnlich formlos wie die Eheschließung.
  • Bei allen Ehe-Typen liegen die Risiken für die Frauen deutlich höher als für die Männer. Wie z.B. für neue eventuelle Eheschließungen und im Falle einer Schwangerschaft.

Trotz der Bemühungen sind die folgenden Eheformen mit islamischem Recht und Konzept schwer zu legitimieren oder zu empfehlen:

3.1. Zeit-Ehe (Mut’a), d.h. „Ehe“ für eine bestimmte Zeit.

Seit 1979 wurde diese „Genuss-Ehe“ im Iran zwar staatlich gefördert; sie konnte aber bis heute ihr Stigma, eine Art legalisierte Prostitution zu sein, nicht ablegen (Haeri 1989, 1994). Diese Form der Ehe war auch vor dem Islam verbreitet. Später im Islam wurde sie verboten, wie der Gefährte Ali, Allahs Wohlgefallen sei mit ihm, berichtete, dass Allahs Gesandter (ﷺ) am Tag von Ḫaibar[2]die Zeit-Ehe (Muta’) mit Frauen und das Essen des Fleisches von häuslichen Eseln verbot. (Buḫārī 4216, Muslim 1407, eig. Übers.)

3.2. Nikāḥ al-`Urfī– ist vornehmlich in Ägypten verbreitet, hat aber mittlerweile auch Anhänger in anderen arabischen Ländern, darunter Jordanien, gefunden. Ursprünglich war damit eine vertragliche Übereinkunft gemeint, die allen scharia-rechtlichen Bedingungen entsprach, nicht aber staatlich registriert wurde. (Roswitha Bardy). Auch wenn diese Ehe gültig ist, kann es aber nach wie vor zu vielen Schäden führen. Die staatliche Registrierung der Ehe soll die Rechte beider Ehepartner erhalten und den Ursprung der Kinder dokumentieren. Eine solche Gefahr im Islam sollte vermeidet sein.

3.3. Die misyar-Eheoder ‚ambulante Ehe‘ findet sich in erster Linie in der Golfregion, wurde aber auch u.a. nach Ägypten ‚exportiert‘.(Roswitha Bardy). Aus der theologischen Perspektive kann man kurz sagen, was Dr. al-Qaradawi gesagt hat: „Die misyar-Ehe ist eine legitime Ehe, die sich von der normalen Ehe darin unterscheidet, dass die Frau darin einige ihrer Rechte gegenüber dem Ehemann aufgibt” wie z.B. das Recht auf eine Unterkunft und Lebensmittel.

Diese Ehe wird nicht als Haram angesehen. Obwohl die Rechte der Frau gestürzt werden und nichtsdestotrotz einige Gelehrte diese Art von Ehe Makruh nannten, wird darin in Bezug auf die islamischen Bedingungen nicht vom Halal abgewichen. Auch der größte Mufti in Saudi-Arabien, Abdulaziz ibn Baz (gest. 1999) war der Meinung, dass die misyar-Ehe Halal ist.

Die Gründe für ihr Auftreten seien die teuren Mitgiften (al-Mahr) in diesen Ländern, der Überfluss an Frauen, die erhöhten Scheidungsfälle, die Steigung des Lustbedürfnises der Männer um mehr als eine Frau zu haben u. ä.

Der Schaden dieser Ehe ist so deutlich, dass die Ehe zu einem lustigen Markt wird, auf dem ein Mann von einer Frau zur anderen wechselt, ebenso die Frau. Es ist auch klar, dass es eine Verletzung des wahren Konzepts von Ehe und Familie ist, das auf Liebe und Barmherzigkeit zwischen den Ehepartnern beruhen muss und wobei für sie ein ständiger Wohnsitz zur Verfügung steht. Als Theologe kann ich sagen, dass eine solche Ehe nie empfehlenswert wäre.

3.4. Die „friend-Ehe“.Diese Variant ist eine im islamischen Recht nicht bekannte Form. Sie geht auf den jemenitischen Gelehrten ‘Abd al-Majid al- Zandani zurück, einem der führenden Gelehrten des Jemen, der die Absicht hatte jungen Menschen die Ehe zu erleichtern. Dieser Aufruf fand unter muslimischen Minderheiten in Europa breite Beachtung. Dort veranstalteten viele islamische Vereine mehrere Treffen mit Imamen und Spezialisten, um diesen Aufruf zu besprechen, und zu erklären, dass diese Ehe islamisch gesehen in Ordnung ist.

Shaykh al-Zindanis Fatwa ist, dass für die muslimische Jugend eine legitime Ehe geschlossen werden kann, ohne dass Unterkunft oder Unterhalt erforderlich sind. Der junge Ehemann und die junge Frau bleiben in ihren elterlichen Häusern und treffen sich in einem legalen Raum. So bleiben sie, bis zum Abschluss ihres Studiums, bis sie einen Job bekommen, Mittel zur Verfügung stellen können, um ihr eigenes Zuhause zu haben und zu etablieren, und für sich und ihre Kinder ausgeben können. (Dr. Bahzad, 2017, eig. Übers.)

Dieses Fatwa kam anscheinend als Antwort für die Sorge der Eltern in Europa, die die Liebesbeziehungen ihrer Kinder, ohne eine islamische Heirat nicht verhindern konnten.

Einige Gelehrte sahen darin eine Möglichkeit, die Probleme muslimischer Minderheiten im Westen zu erleichtern, was empfehlenswert ist. Der Prophet ﷺsagte:

“يسروا ولا تعسروا وبشروا ولا تنفروا“

“Macht die Dinge leicht, macht sie nicht schwer, ermutigen Sie die Menschen, und stoßen Sie sie nicht ab.”(Buḫārī 69, Muslim 1734, eig.Übers.)

Die anderen sehen kaum einen Unterschied zwischen misyar-Ehe und friend-Ehe, zumal es um einen Vertrag geht, worin die vertraglichen Personen einig sind, einige Rechte oder Pflichten aufzuheben.

  1. Sexualunterricht

„Das Urteil über Etwas ist Frucht seiner Vorstellung“. Bevor man den Sexualunterricht als Haram bezeichnet, muss man wissen, was damit gemeint ist. Viele Eltern denken, dass im Sexualunterricht nur über Sex unterrichtet wird.

In der Deutschschweiz findet der sexualkundliche Unterricht während der obligatorischen Schulzeit, mit den folgenden Bildungszielen statt:

  • über die Körpermerkmale und Funktionen des männlichen und weiblichen Körpers, die Entwicklungen in der Pubertät, über Fruchtbarkeit und Schwangerschaft Auskunft zu geben und Möglichkeiten zur Verhütung vor Schutz einer ungewollten Schwangerschaft zu zeigen;
  • die Risiken und Symptome sexuell übertragbarer Krankheiten zu kennen und zu wissen, wie man sich vor deren Übertragung schützen kann;
  • einen angemessenen sprachlichen Umgang mit Sexualität zu erwerben;
  • sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt als solche erkennen zu können und zu wissen, wie man sich dagegen wehren kann;
  • wissen, wo man Hilfe erhalten kann, falls es zu Problemen kommt.
  • Freundschaft, Liebe und Partnerschaft.
  • Umgang mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und derjenigen der anderen.
  • Werte und Normen im Zusammenleben der Menschen allgemein und speziell in Bezug auf das Verhältnis der Geschlechter.
  • die Übernahme von Verantwortung für sich und andere.
  • die Gleichberechtigung der Geschlechter.
  • Bedeutung von Familie für den Einzelnen und für die Gesellschaft.
  • Respekt für unterschiedliche Formen des Zusammenlebens.

Die Notwendigkeit, auch für muslimische Kinder, diese Ziele zu erreichen ist sehr deutlich. Zumal heute die Imame in den Moscheen oder die Eltern zu Hause nicht über diese Themen sprechen, ist die beste Möglichkeit sie mindestens in der Schule zu lernen.

Grundsätzlich widersprechen meines Erachtens diese Ziele den islamischen Werten nicht, insbesondere wenn die Schule darauf achtet, die allgemeinen islamischen Sitten zu achten. In diesem Zusammenhang ist es wichtig den normativen Grundsatz im Fiqh zu verstehen: „Alles ist erlaubt, außer das ausdrücklich Verbotene“.

Meinungen für das Verbot des Sexualunterrichts für die muslimische Jugend habe ich nur von unwissenden MuslimInnen gehört oder gelesen aber nicht von muslimischen Gelehrten.

 

Literatur- und Internetverzeichnis:

  1. Abdurazzak Bahzad, Die friend-Ehe – die Idee und die Realität. Online verfügbar unter: https://diae.net/46811/(Zugriff am 28.04.2019)
  2. Abu Dāwūd as-Siǧistānī, Sunan Abī Dāwūd.
  3. Bubenheim und Elyas, 2001, Der Edle Qur’an.
  4. Islamonline, Die Grenzen und die Sitten zwischen den Geschlechtern. Online verfügbar unter: https://fatwa.islamonline.net/13393(Zugriff am 26.04.2019)
  5. Muhammed Adnan al-Komaz, Was ist misyar-Ehe? Online verfügbar unter: https://mawdoo3.com/ما_هو_زواج_المسيار(Zugriff am 25.04.2019)
  6. Muhammad ibn `Isā at-Tirmiḍī, Sunan at-Tirmiḍī.
  7. Muhammad ibn Ismail Al-Buḫārī, 2001, al-Ṣaḥīḥu l-Ǧāmi`
  8. 8. Muslim ibn Ḥaǧǧaǧ an-Naysābūrī, al-Musnad as-Ṣaḥīḥ al-Muḫtaṣar
  9. Roswitha Bardy, Überkommene Sexualmoral auf dem Prüfstand: Tendenzen unter jungen Musliminnen und Muslimen (PDF)
  10. SZIG-Papers 3, 2018, Islam, Gender und Sexualität (PDF)

[1]Das Zeugnis von Frauen ist gleichwertig, wie das von Männern (sieh Koran 24:6-9)

[2]Jahr 7H